Samstag, 24. Februar 2018

Das Matthiasgrab in Trier


Die Matthias-Reliquien in Padua

Die Gräber der Bischöfe Valerius und Eucharius in Trier

Apostelwahl durch Los
Lesung aus der Apostelgeschichte 1,15ff
15In jenen Tagen erhob sich Petrus im Kreis der Brüder - etwa hundertzwanzig waren zusammengekommen - und sagte:
16Brüder! Es musste sich das Schriftwort erfüllen, das der Heilige Geist durch den Mund Davids im Voraus über Judas gesprochen hat. Judas wurde zum Anführer derer, die Jesus gefangen nahmen.
17Er wurde zu uns gezählt und hatte Anteil am gleichen Dienst.
20acDenn es steht im Buch der Psalmen: Sein Amt soll ein anderer erhalten!
21Einer von den Männern, die die ganze Zeit mit uns zusammen waren, als Jesus, der Herr, bei uns ein und aus ging,
22angefangen von der Taufe durch Johannes bis zu dem Tag, an dem er von uns ging und in den Himmel aufgenommen wurde, - einer von diesen muss nun zusammen mit uns Zeuge seiner Auferstehung sein.
23Und sie stellten zwei Männer auf: Josef, genannt Barsabbas, mit dem Beinamen Justus, und Matthias.
24Dann beteten sie: Herr, du kennst die Herzen aller; zeige, wen von diesen beiden du erwählt hast,
25diesen Dienst und dieses Apostelamt zu übernehmen. Denn Judas hat es verlassen und ist an den Ort gegangen, der ihm bestimmt war.
26Dann gaben sie ihnen Lose; das Los fiel auf Matthias, und er wurde den elf Aposteln zugerechnet.

St. Eucharius-St. Matthias, Trier





Statue des Apostels Matthias über seinem in der Kypta befindlichen Grab






Hochgelobt und gepriesen sei Jesus Christus
im Allerheiligsten Sakrament des Altares!











Steinsarkophag des Apostels Matthias, Matthiaskirche, Trier

(Matthias) predigte in Judäa, heilte Blinde und Aussätzige, trieb den Teufel aus und erweckte Tote wieder zum Leben. Nach einer alten Überlieferung predigte er später in Kappadozien, am Schwarzen Meer und in Makedonien. Einmal wurde ihm ein giftiger Trank gereicht, von dem alle blind zu werden pflegten. Mathias aber leerte den Becher in Christi Namen und nahm keinen Schaden. Als verstockte Zuhörer gegen ihn schrieben, prophezeite er ihnen, sie würden lebendig zur Hölle fahren. Und die Erde tat sich auf und verschlang sie. Da bekehrten sich die anderen.
Über den Tod des Apostels gibt es unterschiedliche Erzählungen. Die einen berichten, er sei in Frieden entschlafen. Andere schreiben, er sei gekreuzigt, noch andere er sei gesteinigt und wieder andere, es sei ihm das Haupt mit einem Beil abgeschlagen worden. Dieses soll in Rom in der Kirche Santa Maria Maggiore ruhen. Einen Anspruch auf die eigentliche Grabstätte des Apostels reklamiert allerdings Trier. Sie wäre das einzige komplette Apostelgrab nördlich der Alpen. Es war neben dem Grab des hl. Simeon und des Bischofs Paulinus und dem Hl. Rock einer der Wallfahrtsmagnete seit dem Mittelalter.
(Sellner, Rebellen Gottes, 104)


im Vordergrund die Gräber von Eucherius und Valerius


bitte für uns!

Freitag, 23. Februar 2018

Das Martyrium des Polykarp von Smyrna

Hl. Polykarp, Magdalen College, Oxford

Leben und Martyrium (Kurzfassung) des hl. Polykarp

Vorhalle der Magdalene-Kapelle, Oxford, Fenster von Richard Greenbury, 1632, gemalt in Sepia

Das Martyrium des hl. Polykarp nach dem zeitgenössischen Bericht der Gemeinde von Smyrna:


Die Kirche Gottes zu Smyrna an die Kirche Gottes zu Philomelium und an alle Gemeinden der heiligen und katholischen Kirche allerorten. Erbarmung, Friede und Liebe Gottes des Vaters und unseres Herrn Jesus Christus mögen euch in Fülle zuteil werden.

Wir schreiben euch, Brüder, über das, was sich zugetragen hat mit den Zeugen und besonders mit dem seligen Polykarp, der durch sein Zeugnis der Verfolgung gleichsam das Siegel aufgedrückt und ein Ende gemacht hat. Denn beinahe alles, was vorherging, geschah, damit uns der Herr noch einmal das Schauspiel des Zeugnisses, wie es im Evangelium erzählt ist, vor Augen führe. Denn er wartete, bis er ausgeliefert wurde, wie auch der Herr, damit auch wir seine Nachahmer werden, indem wir nicht nur unser eigenes Wohl, sondern auch das des Nächsten im Auge haben. Denn es ist ein Zeichen wahrer und starker Liebe, wenn man nicht nur sich selbst, sondern auch alle seine Brüder retten will.
Segensreich und ehrenvoll waren alle Zeugnisse, wenn sie nach Gottes Willen geschahen; denn, wenn wir gottesfürchtig sind, müssen wir Gott die Macht über alles zuschreiben. Wer nämlich sollte nicht ihren Edelsinn, ihre Ausdauer und ihre Liebe zum Herrn bewundern? Zerfleischt mit Geißeln derart, daß man bis auf die Adern und Blutgefäße in ihrem Innern den Bau ihres Leibes sehen konnte, hielten sie aus; selbst die Zuschauer wurden von Mitleid ergriffen und weinten; sie selbst aber erschwangen sich zu einer solchen Höhe der Seelenstärke, daß keiner von ihnen schrie oder stöhnte, und lieferten uns allen damit den Beweis, daß die edelmütigen Zeugen Christi in der Stunde der Peinigung fern vom Fleische weilten, oder besser gesagt, daß der Herr bei ihnen stand und ihnen zuredete. Indem sie ihren Sinn auf Christi Gnade hinrichteten, verachteten sie die irdischen Martern und kauften sich so durch Leiden einer Stunde von ewiger Strafe los. Das Feuer der rohen Henker erschien ihnen als Kühlung; denn sie hatten nur den einen Gedanken, dem ewigen Feuer zu entrinnen, das nie erlischt, und sahen mit den Augen des Geistes auf die Güter, welche den Ausharrenden hinterlegt sind, die kein Ohr gehört, kein Auge gesehen hat und die in keines Menschen Herz gedrungen sind; ihnen aber wurden sie vom Herrn gezeigt, da sie ja nicht mehr Menschen, sondern bereits Engel waren. In gleicher Weise ertrugen sie auch, zu den wilden Tieren verurteilt, gräßliche Qualen: sie wurden über Muscheln gewälzt und auf allerlei andere Art mißhandelt; auf diese Weise wollte der Tyrann sie, wenn es möglich wäre, durch die lange Dauer der Peinigung zur Ableugnung bewegen.

Vieles ersann der Teufel gegen sie; aber, Gott sei Dank, gegen alle war er ohnmächtig. Denn der edle Germanikus stärkte ihre Schwäche durch seine Standhaftigkeit. Er kämpfte in hervorragender Weise mit den wilden Tieren. Als ihn der Prokonsul überreden wollte und sagte, er habe Mitleid mit seinem Alter, reizte er das Tier gewaltsamerweise gegen sich, damit er um so schneller von diesem gottlosen und ungerechten Leben befreit werde. Da geriet das ganze Volk in Entsetzen über den Heldenmut der gottliebenden und gottesfürchtigen Sekte der Christen und schrie: Weg mit den Gottlosen, man suche den Polykarp!

Einer aber, ein Phrygier, namens Quintus, der eben aus Phrygien hergekommen war, geriet in Angst beim Anblick der Bestien. Gerade er war es, der sich freiwillig dem Gerichte gestellt und auch einige andere dazu veranlaßt hatte. Ihn bewog der Prokonsul durch wiederholtes Zureden zu schwören und zu opfern. Darum, Brüder, loben wir nicht die, welche sich selbst darbieten; so lehrt auch nicht das Evangelium.

Der bewunderungswürdige Polykarp aber erschrak nicht, als er davon hörte, und wollte zunächst in der Stadt bleiben; aber die Mehrzahl beredete ihn zur Flucht. Da zog er sich auf ein Landgut zurück, das nahe bei der Stadt lag, und hielt sich dort mit einigen wenigen auf, ohne Tag und Nacht etwas anderes zu tun als zu beten für alle Menschen und für die Kirchen der ganzen Welt, wie er es gewohnt war. Und als er so betete, hatte er drei Tage vor seiner Gefangennahme ein Gesicht, er sah sein Kopfkissen von Feuer ergriffen; da wandte er sich an seine Umgebung und sprach prophetisch: Ich muß lebendig verbrannt werden.

Da man die Nachforschungen nach ihm eifrig fortsetzte, flüchtete er sich in ein anderes Landhaus, und sofort waren die, welche ihn suchten, ihm auf der Spur. Und als sie ihn nicht fanden, ergriffen sie zwei junge Sklaven, von denen einer auf der Folter bekannte. Es war nämlich unmöglich, daß er verborgen blieb, da die, welche ihn verrieten, seine Hausgenossen waren. Der Irenarch, der denselben Namen Herodes trug, beeilte sich, ihn in die Rennbahn zu bringen, damit jener seine Bestimmung erreiche, indem er Christi Genosse wurde, seine Verräter aber die Strafe des Judas treffe.
Mit dem jungen Sklaven zogen nun an einem Rüsttage zur Stunde der Mahlzeit die Häscher mit einer Abteilung Reiterei in ihrer gewohnten Bewaffnung gegen ihn wie gegen einen Räuber los. Sie kamen zu später Stunde an und fanden ihn im oberen Stockwerke eines kleinen Hauses. Von dort hätte er wohl an eine andere Stelle fliehen können, aber er wollte es nicht und sagte: Der Wille Gottes geschehe! Als er von ihrer Anwesenheit hörte, stieg er hinab und sprach mit ihnen; sie aber waren betroffen über sein hohes Alter, seine Ruhe und darüber, daß sie sich eine solche Mühe gegeben hatten, einen so alten Mann aufzugreifen. Sofort gab er Auftrag, ihnen zur selben Stunde Speise und Trank vorzusetzen, soviel sie wollten; er bat sie aber auch, ihm noch eine Stunde zu ungestörtem Gebete zu gewahren. Als sie ihm diese zugestanden, betete er stehend, voll der Gnade Gottes, so, daß er zwei Stunden lang nicht fertig werden konnte und daß die Häscher staunten, mehrere es auch bereuten, gegen einen so gottgefälligen Greis ausgezogen zu sein.

Endlich schloß er sein Gebet, in welchem er aller gedacht hatte, die er jemals kennen gelernt hatte, Kleiner und Großer, Berühmter und Unberühmter und der ganzen katholischen Kirche auf dem weiten Erdenrund. Als nun die Zeit des Aufbruches kam, setzte man ihn auf einen Esel und brachte ihn so zur Stadt; es war an einem großen Sabbat. Der Irenarch Herodes und sein Vater Niketes kamen ihm entgegengefahren; sie nahmen ihn zu sich auf den Wagen und suchten ihn, während sie neben ihm saßen, zu überreden mit den Worten: Was ist es denn Schlimmes, Herr Kaiser zu sagen, zu opfern und ähnliches zu tun und so sein Leben zu retten? Anfangs gab er ihnen keine Antwort; da sie ihn aber nicht in Ruhe ließen, sagte er: Ich bin nicht gewillt zu tun, was ihr mir ratet. Als sie nun ihr Vorhaben gescheitert sahen, sprachen sie Drohworte gegen ihn aus und stießen ihn mit solcher Hast hinunter, daß er sich beim Absteigen vom Wagen das Schienbein verletzte. Doch er achtete nicht darauf, ging, als wäre ihm nichts geschehen, heiter mit schnellen Schritten weiter und wurde in die Rennbahn geführt; es war aber in der Rennbahn ein solcher Lärm, daß man nichts verstehen konnte.

Als Polykarp in die Rennbahn eintrat, erscholl eine Stimme vom Himmel: Mut, Polykarp, halte dich männlich! Den Redenden sah niemand, die Stimme aber hörten alle, die von den Unsrigen anwesend waren. Wie schon gesagt wurde, war bei seinem Eintreten der Lärm groß, da man gehört hatte, daß Polykarp ergriffen worden war. Als er nun vorgeführt wurde, fragte ihn der Prokonsul, ob er Polykarp sei. Er bejahte das, worauf jener ihn bereden wollte zu verleugnen und sagte: Bedenke dein hohes Alter; und anderes derart, wie sie zu sprechen gewohnt sind: Schwöre beim Glücke des Kaisers! Gehe in dich, sprich: Weg mit den Gottlosen! Polykarp aber schaute mit finsterer Miene über die ganze Masse der in der Rennbahn versammelten heidnischen Scharen hin, streckte die Hand gegen sie aus, seufzte, sah gen Himmel und sprach: Weg mit den Gottlosen! Der Prokonsul aber drang noch mehr in ihn und sprach: Schwöre und ich gebe dich frei, fluche Christo! Da entgegnete Polykarp: Sechsundachtzig Jahre diene ich ihm, und er hat mir nie ein Leid getan; wie könnte ich meinen König und Erlöser lästern?
Als er aber aufs neue in ihn drang und sagte: Schwöre beim Glücke des Kaisers; antwortete er: Wenn du dir mit dem Gedanken schmeichelst, ich würde, wie du es nennst, beim Glücke des Kaisers schwören, und dich stellst, als wüßtest du nicht, wer ich bin, so höre mein freimütiges Bekenntnis: Ich bin ein Christ. Willst du aber die Lehre des Christentums kennen lernen, so bestimme mir einen Termin zur Aussprache. Der Prokonsul sagte: Rede dem Volke zu! Polykarp antwortete: Dich habe ich einer Erklärung für würdig gehalten; denn man hat uns gelehrt, den von Gott gesetzten Obrigkeiten und Gewalten die gebührende Ehre zu erweisen, wenn sie uns keinen Schaden bringt; jene aber halte ich nicht für wert, mich vor ihnen zu verteidigen.

Da erklärte der Prokonsul: Ich habe wilde Tiere, denen werde ich dich vorwerfen lassen, wenn du nicht anderen Sinnes wirst. Der aber entgegnete: Laß sie kommen; denn unmöglich ist uns die Bekehrung vom Besseren zum Schlimmeren; ehrenvoll aber ist es, sich vom Schlechten zur Gerechtigkeit hinzuwenden. Jener aber fuhr fort: Wenn du dir aus den Tieren nichts machst, lasse ich dich vom Feuer verzehren, sofern du deine Meinung nicht änderst. Darauf sagte Polykarp: Du drohst mir mit einem Feuer, das nur eine Stunde brennt und nach kurzem erlischt; denn du kennst nicht das Feuer des zukünftigen Gerichtes und der ewigen Strafe, das auf die Gottlosen wartet. Doch was zögerst du? Hole herbei, was dir gefällt!

Während Polykarp dieses und noch anderes sprach, war er voll von Mut und Freude und sein Antlitz strahlte von Anmut, so daß er nicht nur nicht, bestürzt über das ihm Angedrohte, die Fassung verlor, sondern daß vielmehr der Prokonsul staunte; dieser schickte seinen Herold und ließ mitten in der Rennbahn dreimal verkünden: Polykarp hat sich als Christ bekannt. Als der Herold das ausgerufen hatte, schrie die ganze Menge der Heiden und Juden, die in Smyrna wohnten, in unverhohlener Wut und mit lauter Stimme: Dieser ist der Lehrer Asiens, der Vater der Christen, der Zerstörer unserer Götter, der durch seine Lehre viele bewegt, nicht zu opfern und anzubeten. So schrien sie und verlangten von dem Asiarchen Philippus, er solle einen Löwen auf Polykarp loslassen. Der aber erklärte, das sei ihm nicht gestattet, weil die Tierhetzen beendigt seien. Da fanden sie es für gut, einstimmig zu schreien, Polykarp solle lebendig verbrannt werden. Es mußte ja auch das an seinem Kopfkissen ihm geoffenbarte Gesicht sich erfüllen; er hatte dieses beim Gebete brennen sehen und zu den Gläubigen, die bei ihm waren, hingewandt, die prophetischen Worte gesprochen: Ich muß lebendig verbrannt werden.
Das wurde schneller ausgeführt, als es erzählt werden kann. Die Volksmassen trugen auf der Stelle aus den Werkstätten und Bädern Holz und Reisig zusammen; die größten Dienste leisteten dabei bereitwilligst die Juden, wie sie es gewohnt sind. Als der Holzstoß errichtet war, legte er alle seine Oberkleider ab, löste seinen Gürtel und versuchte, auch seine Schuhe auszuziehen. Das hatte er früher nicht getan, weil allezeit die Gläubigen wetteiferten, wer zuerst seinen Leib berühre; denn wegen seines guten Wandels war er schon vor seinem Zeugnis mit aller Tugend geschmückt. Sofort nun wurde das Material, das für den Scheiterhaufen zubereitet war, um ihn herumgelegt; als man ihn auch annageln wollte, sagte er: Laßt mich so; denn der mir verliehen hat, den Feuertod geduldig zu leiden, wird mir auch die Kraft geben, ohne die durch eure Nägel gebotene Sicherheit unbeweglich auf dem Scheiterhaufen auszuharren.

Die nagelten ihn also nicht an, banden ihn aber fest. Er aber, die Hände auf dem Rücken festgebunden, wie ein ausgezeichneter Widder aus einer großen Herde zur Opfergabe, zum wohlgefälligen Brandopfer für Gott, auserlesen, blickte gen Himmel und sprach: Herr, allmächtiger Gott, Vater deines geliebten und gesegneten Sohnes Jesus Christus, durch den wir Kenntnis von dir erlangt haben, Gott der Engel, der Mächte, der gesamten Schöpfung und der ganzen Schar der Gerechten, die vor deinem Angesichte leben! Ich preise dich, daß du mich dieses Tages und dieser Stunde gewürdigt hast, teilzunehmen in der Gemeinschaft deiner Zeugen an dem Kelche deines Christus zur Auferstehung ins ewige Leben nach Leib und Seele in der Unvergänglichkeit des Heiligen Geistes. Unter diesen möchte ich heute vor dir aufgenommen werden als ein fettes und wohlgefälliges Opfer, sowie du, untrüglicher und wahrhafter Gott, mich dazu vorbereitet, wie du es mir vorherverkündet und wie du es jetzt erfüllt hast. Deswegen lobe ich dich auch für alles, ich preise dich und verherrliche dich durch deinen ewigen und himmlischen Hohenpriester Jesus Christus, deinen geliebten Sohn, durch den dir mit ihm und dem Heiligen Geiste Ehre sei jetzt und in alle Ewigkeit. Amen.

Als er das Amen ausgesprochen und sein Gebet vollendet hatte, zündeten die Heizer das Feuer an. Mächtig loderte die Flamme empor; da schauten wir, denen diese Gnade gegeben war, denen es auch vorbehalten war, das Geschehene den anderen zu verkünden, ein Wunder. Denn das Feuer wölbte sich wie ein vom Winde geschwelltes Segel und umwallte so den Leib des Zeugen; dieser aber stand in der Mitte nicht wie bratendes Fleisch, sondern wie Brot, das gebacken wird, oder wie Gold und Silber, das im Ofen geläutert wird. Auch empfanden wir einen Wohlgeruch wie von duftendem Weihrauch oder von einem anderen kostbaren Rauchwerk.

Als endlich die Gottlosen sahen, daß sein Leib vom Feuer nicht könne verzehrt werden, befahlen sie dem Konfektor, hinzuzutreten und ihm den Dolch in die Brust zu stoßen. Als das geschah, kam eine solche Menge Blut hervor, daß das Feuer erlosch und das ganze Volk erstaunt war über den großen Unterschied der Ungläubigen und der Auserwählten. Einer von diesen ist der bewunderungswerte Blutzeuge Polykarp gewesen, der in unserer Zeit durch seine Lehre ein Apostel und Prophet geworden ist, der Bischof der katholischen Kirche zu Smyrna; denn jedes Wort, das aus seinem Munde kam, hat sich erfüllt und wird sich erfüllen.

Als aber der Nebenbuhler, der Verleumder und Böse, der Gegner der Gerechten, die Größe seines Zeugnisses, seinen von jeher unbefleckten Wandel und ihn selbst sah, wie er mit dem Kranze der Unvergänglichkeit geschmückt war und einen unbestrittenen Kampfpreis davontrug, da arbeitete er darauf hin, daß wir seine Überbleibsel nicht davontragen sollten, obschon viele dies zu tun und an seinem heiligen Leibe Anteil zu haben begehrten. Er veranlaßte also den Niketes, den Vater des Herodes und Bruder der Alke, den Prokonsul zu ersuchen, er möge seinen Leib nicht herausgeben, damit sie nicht — das sind seine Worte — den Gekreuzigten verlassen und diesen anzubeten anfangen. Das sagten sie auf Antrieb und Drängen der Juden, die auch achtgaben, als wir ihn aus dem Feuer nehmen wollten; sie begreifen nicht, daß wir Christus niemals verlassen werden, der für das Heil aller, die auf Erden gerettet werden, gelitten hat als ein Schuldloser für die Schuldigen, und daß wir auch keinen andern anbeten können. Denn ihn beten wir an, weil er der Sohn Gottes ist. Den Zeugen aber erweisen wir als Schülern und Nachahmern des Herrn gebührende Liebe wegen ihrer unübertrefflichen Zuneigung zu ihrem König und Lehrer. Möchten doch auch wir ihre Genossen und Mitschüler werden!
Als nun der Hauptmann den Widerstand der Juden sah, ließ er ihn mitten auf den Scheiterhaufen legen und, wie es bei ihnen Brauch ist, verbrennen. Auf diese Weise haben wir hinterher seine Gebeine bekommen, die wertvoller sind als kostbare Steine und unschätzbarer als Gold, und haben sie an geeigneter Stätte beigesetzt. Dort werden wir uns mit der Gnade Gottes nach Möglichkeit in Jubel und Freude versammeln und den Geburtstag seines Zeugnisses feiern zum Andenken an die, welche bereits den Kampf bestanden haben, und zur Übung und Vorbereitung für die, welche ihm noch entgegengehen.

So viel über den seligen Polykarp, der — die Philadelphier miteingerechnet — der zwölfte Blutzeuge zu Smyrna ist, allein aber von allen in höherem Ansehen steht, so daß sogar die Heiden allenthalben von ihm reden. Er war nicht nur ein ausgezeichneter Lehrer, sondern auch ein hervorragender Blutzeuge, dessen Zeugnis alle nachzuahmen begehren, da es nach Christi Evangelium geschah. Denn durch seine Standhaftigkeit hat er den ungerechten Statthalter besiegt und so die Krone der Unsterblichkeit erlangt; er verherrlicht, mit den Aposteln und allen Gerechten in Jubel vereinigt, Gott den Allvater und preist unsern Herrn Jesus Christus, den Heiland unserer Seelen, den Lenker unserer Leiber und den Hirten der katholischen Kirche auf dem weiten Erdkreise.

Ihr batet um eine eingehende Darstellung des Geschehenen; wir haben es euch aber hierin nur der Hauptsache nach durch unsern Bruder Markion mitteilen lassen. Wenn ihr nun Kenntnis davon genommen habt, so sendet das Schreiben auch an die ferner wohnenden Brüder, damit auch sie den Herrn preisen, der unter seinen Dienern eine Auswahl trifft. Ihm, der mächtig ist, uns alle in seiner Gnade und Gabe einzuführen in sein ewiges Reich durch seinen eingeborenen Sohn Jesus Christus, ihm sei Ruhm, Ehre, Macht und Herrlichkeit in alle Ewigkeit! Grüßet alle Heiligen! Euch grüßen die Hiesigen und Evaristus, der dies geschrieben hat, mit seinem ganzen Hause.

Der selige Polykarp litt den Zeugentod am zweiten des Monates Xanthikus, am dreiundzwanzigsten Februar an einem großen Sabbat, um die achte Stunde. Er wurde ergriffen von Herodes unter dem Oberpriester Philippus von Tralles, unter dem Prokonsulat des Statius Quadratus, unter der ewig währenden Herrschaft unseres Herrn Jesus Christus. Ihm sei Ruhm, Ehre, Herrlichkeit und ewiger Thron von Geschlecht zu Geschlecht. Amen.

Wir sagen euch Lebewohl, Brüder, die ihr wandelt nach dem Worte des Evangeliums Jesu Christi; mit ihm sei Ehre Gott dem Vater und dem Heiligen Geiste zum Heile der auserwählten Heiligen, so wie dafür Zeugnis abgelegt hat der selige Polykarp, nach dessen Fußstapfen wir im Reiche Jesu Christi befunden werden mögen. Dieses hat Gajus abgeschrieben aus dem Exemplare des Irenäus, eines Schülers des Polykarp, der noch mit Irenäus verkehrt hatte. Ich Sokrates aber habe zu Korinth nach der Abschrift des Gajus eine andere gemacht. Gnade mit euch allen! Ich Pionius hinwieder habe nach dem eben Beschriebenen Abschrift genommen, als ich es aufgefunden hatte. Ich fand es aber auf Grund einer Offenbarung des seligen Polykarp, wie ich im folgenden dartun werde. Ich habe die Bruchstücke, die der Zahn der Zeit beinahe vernichtet hatte, gesammelt, damit auch mich der Herr Jesus Christus mit seinen Auserwählten im Himmelreiche zusammenbringe, dem die Ehre sei mit dem Vater und dem Heiligen Geiste in alle Ewigkeit. Amen.




Polycarp, Magdalen College, Oxford

Donnerstag, 22. Februar 2018

Kathedra Petri - das Original - update: erklärt von Papst Benedikt


Die Kathedra Petri von der Kuppel aus gesehen (u. Predigt Papst Benedikts)
Der Stuhl Petri in der Dominikanerkirche in London



An der Rückseite des Chores befindet sich (im Petersdom) ein Altar, über dem sich das Behältnis der Cathedra Petri erhebt, ein Komplex, den Bernini in den Jahren zwischen 1658 und 1666 schuf. Der Ehrensitz der Bischöfe und vor allem des Papstes wird gemeinhin als "Cathedra" bezeichnet, um den Lehrauftrag zu unterstreichen, der dem bischöflichen Amt und insbesondere der Papstwürde eigen ist.
Nach einer Legende soll sich in diesem erhabenen Behältnis der bischöfliche Ehrensitz des hl. Petrus befinden - ein Stuhl, auf dem der vom Alter geschwächte Apostel gesessen haben soll, als er die Christen unterwies.
In Wirklichkeit befindet sich darin ein mit fein geschnitzten Eilfenbeinplättchen verzierter Holzthron, den der karolingische Kaiser Karl der Kahle (823-877) dem Papst anläßlich seiner 875 in Rom erfolgten Krönung zum Geschenk gemacht hat.

kaiserl. Thron von Karl dem Kahlen


Das von Bernini in Bronze gegossene Behältnis ist also gleichsam ein großes Reliquiar in Gestalt eines Thrones, das von vier Kirchenlehrern getragen wird: Zwei Vertretern der Ostkirche, nämlich Athanasius und Chrysostomus, und zwei Kirchenlehrern der römischen Kirche, und zwar Ambrosius und Augustinus.
Seit alters her nennt die Kirche jene Männer, die in maßgeblicher Weise zur Vertiefung der Offenbarungsbotschaft beigetragen haben, "doctores ecclesiae" oder Kirchenlehrer.
Bernini ordnete sie zu Füßen der Cathedra an, fast so, als ob sie dieselbe stützten, womit er ihrer maßgeblichen Bedeutung für das autoritative Lehramt des Papstes Nachdruck verlieh. Der sich darüber erhebende Strahlenkrank, in dessen Mitte Bernini eine weiße Taube als Sinnbild des Heiligen Geistes, des dritten Elements der Dreifaltigkeit, anbrachte. erinnert daran, daß der Papst in seiner Rolle als Lehrer der ganzen Kirche Erleuchtung und Eingebung von Gott selbst erhält.
In diesem Werk Berninis verbinden sich Bau- und Bildhauerkunst, Gold, Glas, Marmor und Bronze zu einem Spiel von Licht und Schatten, ja zu einem bewegten und höchst originellen Bildkomplex, mit dem die Barockkunst ihren expressiven Höhepunkt erreichte.
(Roberta Vicci, Die Patriarchalbasiliken Roms, 55f)

die vier Kirchenlehrer, Cathedra Petri



Liebe Brüder und Schwestern! Diese Episode aus dem Evangelium, die wir gehört haben, findet eine weitere und noch anschaulichere Erklärung in einem sehr bekannten künstlerischen Element, das den Petersdom ziert: im Kathedra-Altar. Wenn man durch das grandiose Mittelschiff geht und nach Überwindung des Querschiffs zur Apsis gelangt, sieht man sich vor einem riesigen Thron aus Bronze, der zu schweben scheint, in Wirklichkeit aber von den vier Statuen großer Kirchenväter des Ostens und des Westens gehalten wird. Und über dem Thron, umgeben von einem Triumph in der Luft schwebender Engel, leuchtet im Ovalfenster die Herrlichkeit des Heiligen Geistes. Was sagt uns nun dieses bildhauerische Gefüge, das wir dem Genie des Bernini verdanken? Es stellt eine Sicht des Wesens der Kirche und – in ihr – des petrinischen Lehramtes dar.

Das Apsis-Fenster öffnet die Kirche nach außen, zur gesamten Schöpfung hin, während das Bild der Taube des Heiligen Geistes Gott als Quelle des Lichtes zeigt. Doch da ist auch noch ein anderer Aspekt hervorzuheben: Die Kirche selbst ist nämlich wie ein Fenster, der Ort, an dem Gott sich naht, unserer Welt entgegenkommt. Die Kirche existiert nicht für sich selbst, sie ist nicht das endgültige Ziel, sondern muß über sich hinausweisen, nach oben, über uns hinaus. Die Kirche ist wirklich sie selbst in dem Maß, in dem sie den Anderen – den „Anderen“ schlechthin – durchscheinen läßt, von dem her sie kommt und zu dem sie führt. Die Kirche ist der Ort, wo Gott bei uns „ankommt“ und wo wir zu ihm hin „aufbrechen“; sie hat die Aufgabe, außer sich selber auch jene Welt zu öffnen, die dazu neigt, sich in sich selbst zu verschließen, und ihr das Licht zu bringen, das von oben kommt, ohne das sie unbewohnbar würde.

Die große Kathedra aus Bronze birgt einen hölzernen Thron aus dem 9. Jahrhundert, der lange Zeit für den Stuhl des Apostels Petrus gehalten wurde und aufgrund seines hohen symbolischen Wertes gerade über diesem Altar angebracht wurde. Er drückt nämlich die ständige Gegenwart des Apostels im Lehramt seiner Nachfolger aus. Der Stuhl des heiligen Petrus ist – so können wir sagen – der Thron der Wahrheit, der seinen Ursprung aus dem Auftrag Christi nach dem Bekenntnis bei Cäsarea Philippi bezieht. Der Lehrstuhl ruft uns immer wieder die Worte des Herrn an Petrus im Abendmahlssaal in Erinnerung: „Ich aber habe für dich gebetet, daß dein Glaube nicht erlischt. Und wenn du dich wieder bekehrt hast, dann stärke deine Brüder“ (Lk 22,32).

Noch eine weitere Erinnerung ruft die Kathedra Petri hervor: das berühmte Wort des heiligen Ignatius von Antiochien, der in seinem Brief an die Römer die Kirche von Rom als die bezeichnet, „welche den Vorsitz in der Liebe hat“ (Inscr. : PG 5,801). In der Tat ist der Vorsitz im Glauben untrennbar an den Vorsitz in der Liebe gebunden. Ein Glaube ohne Liebe wäre kein echter christlicher Glaube mehr.

Aber die Worte des heiligen Ignatius haben auch noch eine andere, sehr viel konkretere Bedeutung: Der Begriff „caritas – Liebe“ wurde nämlich in der frühen Kirche auch als Bezeichnung für die Eucharistie gebraucht. Die Eucharistie ist ja das Sacramentum caritatis Christi – das Sakrament der Liebe Christi –, durch das er weiterhin uns alle zu sich hin zieht, wie er es von der Höhe des Kreuzes aus getan hat (vgl. Joh 12,32). Darum bedeutet „den Vorsitz in der Liebe haben“, die Menschen in eine eucharistische Umarmung – in die Umarmung Christi – hineinziehen, die jede Schranke und jede Fremdheit überwindet und aus den mannigfaltigen Verschiedenheiten die Gemeinschaft bildet. Das Petrusamt ist also ein Primat in der Liebe im eucharistischen Sinn bzw. ein fürsorglicher Einsatz für die weltweite Gemeinschaft der Kirche in Christus. Und die Eucharistie ist Gestalt und Maßstab dieser Gemeinschaft sowie eine Garantie dafür, daß diese dem Kriterium der Glaubensüberlieferung treu bleibt.

Die große Kathedra wird gestützt von den Kirchenvätern. Die beiden Lehrer des Ostens – der heilige Johannes Chrysostomus und der heilige Athanasius – stellen gemeinsam mit den lateinischen – dem heiligen Ambrosius und dem heiligen Augustinus – die Gesamtheit der Überlieferung und somit den Reichtum des Ausdrucks des wahren Glaubens in der heiligen und einen Kirche dar. Dieses Element des Altars sagt uns, daß die Liebe sich auf den Glauben gründet. Sie zerbröckelt, wenn der Mensch nicht mehr auf Gott vertraut und ihm nicht gehorcht. Alles in der Kirche ist auf den Glauben gegründet: die Sakramente, die Liturgie, die Evangelisierung, die Liebe. Auch das Recht, auch die Autorität in der Kirche fußen auf dem Glauben. Die Kirche regelt sich nicht in autonomer Weise, sie gibt sich nicht selbst ihre Ordnung, sondern empfängt sie vom Wort Gottes, das sie im Glauben hört und zu verstehen und zu leben sucht. Die Kirchenväter haben in der Gemeinschaft der Kirche die Funktion von Bürgen für die Treue zur Heiligen Schrift. Sie sichern eine zuverlässige, solide Exegese, die fähig ist, mit der Kathedra Petri ein festes, einheitliches Gefüge zu bilden. Die im Licht der Väter vom Lehramt maßgeblich interpretierte Heilige Schrift erleuchtet den Weg der Kirche in der Zeit, indem sie ihr inmitten der geschichtlichen Veränderungen ein beständiges Fundament gibt.

Nachdem wir die verschiedenen Elemente des Kathedra-Altars bedacht haben, wollen wir ihn nun in seiner Gesamtheit betrachten. Und dabei sehen wir, daß er von einer zweifachen Bewegung durchzogen ist: von einem Aufstieg und einem Abstieg. Es ist das Wechselspiel zwischen Glaube und Liebe. Die Kathedra ist an diesem Ort stark hervorgehoben, denn hier ist das Grab des Apostels Petrus, doch auch sie strebt der Liebe Gottes zu. In der Tat ist der Glaube auf die Liebe hin ausgerichtet. Ein egoistischer Glaube wäre ein unwahrer Glaube.

Wer an Jesus Christus glaubt und in die Dynamik der Liebe eintritt, die in der Eucharistie ihre Quelle hat, entdeckt die wahre Freude und wird seinerseits fähig, nach der Logik dieses Schenkens zu leben. Der wahre Glaube ist erleuchtet von der Liebe und führt zur Liebe, nach oben, wie der Kathedra-Altar bis zum leuchtenden Fenster, zur Herrlichkeit des Heiligen Geistes emporführt, dem eigentlichen Brennpunkt für den Blick des Pilgers, wenn dieser die Schwelle des Petersdoms überschreitet. Dieses Fenster heben der Triumph der Engel und der große vergoldete Strahlenkranz in höchstem Maße hervor, mit einem Eindruck der überquellenden Fülle, welche den Reichtum der Gemeinschaft mit Gott zum Ausdruck bringt. Gott ist nicht Einsamkeit, sondern glorreiche, freudvolle, sich verströmende, strahlende Liebe.

(Predigt von Papst Benedikt XVI am 19.2.2012)



Baldachin von Bernini, Petersdom

Mittwoch, 21. Februar 2018

Petrus Damiani - Eremitenregel


Petrus Damiani verfasst die Eremitenregel, Vatikanische Museen

Gebet zum Gekreuzigten von Petrus Damiani
Leben des Kirchenlehrers Petrus Damiani - Kempten



Liebe Brüder und Schwestern!

Während der Katechesen dieser Mittwochsaudienzen behandle ich einige der großen Gestalten des Lebens der Kirche seit ihren Anfängen. Heute möchte ich mich mit einer der bedeutendsten Persönlichkeiten des 11. Jahrhunderts beschäftigen, dem heiligen Petrus Damiani. einem Liebhaber der Einsamkeit und gleichzeitig einem unerschrockener Mann der Kirche, der sich persönlich für das von den Päpsten jener Zeit begonnene Reformwerk einsetzte. Er wurde 1007 in Ravenna geboren und stammte aus einer adeligen, aber mittellosen Familie. Nachdem er beide Eltern verloren hatte, erlebte er eine Kindheit, in der es nicht an Schwierigkeiten und Leiden mangelte, auch wenn sich seine Schwester Roselinda darum bemühte, ihm die Mutter zu ersetzen, und ihn sein älterer Bruder Damiano an Sohnes statt adoptierte. Aus diesem Grund wird er später Petrus von Damiano, Petrus Damiani genannt werden. Seine Ausbildung wurde ihm zunächst in Faenza und dann in Parma zuteil, wo wir ihn bereits im Alter von 25 Jahren im Einsatz der Lehre finden. Neben einem guten Fachwissen im Bereich des Rechts erwarb er eine feines Können in der Dichtkunst - in der „ars scribendi" -, und dank seiner Kenntnis der lateinischen Klassiker wurde er „einer der besten Latinisten seiner Zeit, einer der größten Schriftsteller des lateinischen Mittelalters" (J. Leclercq, Pierre Damien, ermite et homme d'Église, Rom 1960, S. 172).

Er tat sich in den verschiedensten literarischen Gattungen hervor: bei den Briefen angefangen bis hin zu den Predigten, von den Hagiographien zu den Gebeten, von den Gedichten bis hin zu den Epigrammen. Seine Sensibilität für die Schönheit führte ihn zur poetischen Betrachtung der Welt. Petrus Damiani fasste das Weltall als eine unerschöpfliche „Parabel" und einen weiten Raum von Symbolen auf, von denen bei der Interpretation des inneren Lebens sowie der göttlichen und übernatürlichen Wirklichkeit auszugehen ist. In dieser Perspektive drängte ihn um das Jahr 1034 die Kontemplation des absoluten Gottes dazu, sich fortschreitend von der Welt und ihren vorübergehenden Wirklichkeiten zu trennen, um sich in das Kloster von Fonte Avellana zurückzuziehen, das nur wenige Jahrzehnte zuvor gegründet worden war, jedoch schon für seine Strenge Berühmtheit erlangt hatte. Zur Erbauung der Mönche schrieb der die „Vita" des heiligen Gründers Romualdo von Ravenna und setzte sich gleichzeitig für die Vertiefung von dessen Spiritualität ein; dazu legte er sein Ideal des Einsiedler-Mönchstums dar.

Eine Sonderheit ist sofort hervorzuheben: Die Einsiedelei von Fonte Avellana war dem Heiligen Kreuz geweiht, und das Kreuz wird das christliche Geheimnis sein, das Petrus Damiani über allen anderen faszinieren wird. „Christus liebt nicht, wer nicht das Kreuz Christi liebt", sagt er (Sermo XVIII, 11, S. 117), und er bezeichnet sich als „Petrus crucis Christi servorum famulus - Petrus, Diener der Diener des Kreuzes Christi" (Ep, 9,1). An das Kreuz richtet Petrus Damiani wunderschöne Gebete, in denen er eine Sicht dieses Geheimnisses offenlegt, das kosmische Dimensionen besitzt, da es die gesamte Heilsgeschichte umfasst: „O seliges Kreuz - ruft er aus - dich verehren, dich verkünden und dich ehren der Glaube der Patriarchen, die Voraussagen der Propheten, der richtende Senat der Apostel, das siegreiche Heer der Märtyrer und die Scharen aller Heiligen" (Sermo XLVIII, 14, S. 304). Liebe Brüder und Schwestern, das Beispiel des heiligen Petrus Damiani dränge auch uns dazu, immer auf das Kreuz als den höchsten Akt der Liebe Gottes zu den Menschen zu blicken, der uns das Heil geschenkt hat.

Für den Ablauf des Eremitenlebens verfasst dieser große Mönch eine Regel, in der er besonders die „Strenge der Einsiedelei" hervorhebt: In der Stille des Klosters ist der Mönch dazu berufen, ein Leben des täglichen und nächtlichen Gebetes verbunden mit langen und strengen Fastenzeiten zu führen; er muss sich in einer großherzigen brüderlichen Nächstenliebe und in einem stets bereiten und verfügbaren Gehorsam gegenüber dem Prior üben. Im Studium und in der täglichen Betrachtung der Heiligen Schrift entdeckt Petrus Damiani die mystischen Bedeutungen des Wortes Gottes und findet in ihm Nahrung für sein geistliches Leben. In diesem Sinne bezeichnet er die Zelle des Einsiedlers als ein „Gesprächszimmer, wo sich Gott mit den Menschen unterhält". Das Eremitendasein ist für ihn der Gipfel des christlichen Lebens, es steht „am Höhepunkt der Zustände des Lebens", da der Mönch, der nunmehr frei ist von allen Bindungen an die Welt und an das eigen Ich, „die Anzahlung des Heiligen Geistes empfängt und sich seine Seele glücklich mit dem himmlischen Bräutigam vereint" (Ep 18, 17; vgl. Ep 28, 43 ff.). Dies ist auch für uns heute wichtig, auch wenn wir keine Mönche sind: es zu verstehen, in uns Stille zu schaffen, um die Stimme Gottes zu hören, um sozusagen ein „Gesprächszimmer" zu suchen, wo Gott mit uns spricht: Das Wort Gottes im Gebet und in der Betrachtung zu lernen ist der Weg des Lebens.

Der heilige Petrus Damiani, der vor allem ein Mann des Gebetes, der Betrachtung und der Kontemplation war, war auch ein feiner Theologe: Seine Überlegungen zu den verschiedenen Themen der Lehre lässt ihn Schlüsse ziehen, die für das Leben wichtig sind. So legt er zum Beispiel klar und lebhaft die Lehre von der Dreifaltigkeit dar und benutzt dazu im Rückgriff auf die biblischen und patristischen Texte bereits die drei grundlegenden Begriffe, die dann auch für die abendländische Philosophie bestimmend geworden sind: processio, relatio und persona (vgl. Opusc. XXXVIII: PL CXLV, 633-642; und Opusc. II e III: ebd., 41ff. und 58ff.). Da ihn jedoch die theologische Analyse des Geheimnisses dazu führt, das innerste Leben Gottes und den Dialog der unaussprechlichen Liebe unter den drei Personen zu betrachten, kommt er zu asketischen Schlüssen für das Leben in der Gemeinschaft und für die Beziehungen unter den lateinischen und griechischen Christen, die hinsichtlich dieses Themas gespalten waren. Auch die Betrachtung der Gestalt Christi hat bedeutsame praktische Konsequenzen, insofern die gesamte Schrift auf ihn konzentriert ist. Das „Volk der Juden selbst" - so merkt Petrus Damiani an -, „hat Christus gleichsam auf den Schultern getragen" (Sermo XLVI, 15). Christus muss daher, so fügt er hinzu, im Mittelpunkt des Lebens des Mönches stehen: „Christus soll aus unserem Mund gehört werden, Christus soll in unserem Leben zu sehen sei, in unserem Herzen wahrgenommen werden" (Sermo VIII, 5). Die innige Einheit mit Christus nimmt nicht allein die Mönche in die Pflicht, sondern alle Getauften. Wir finden hier eine starke Mahnung auch an uns, uns nicht völlig von den Aktivitäten, Problemen und Sorgen des Alltages aufsaugen zu lassen und dabei zu vergessen, dass Jesus wirklich im Mittelpunkt unseres Lebens stehen muss.

Die Gemeinschaft mit Christus schafft Einheit der Liebe unter den Christen. Im 28. Brief, der eine geniale Abhandlung zur Ekklesiologie darstellt, entfaltet Petrus Damiani eine tiefe Theologie der Kirche als Gemeinschaft. „Die Kirche Christi" - so schreibt er - „ist durch das Band der Liebe bis zu dem Punkt geeint, dass sie so, wie sie eine mehrgliedrige Einheit ist, mystisch auch ganz in jedem einzelnen Glied ist; so wird die ganze universale Kirche zurecht die eine Braut Christi in der Einzahl genannt, und jede erwählte Seele wird durch das sakramentale Geheimnis in vollem Sinne als Kirche angesehen." Das ist wichtig: Nicht nur die ganze universale Kirche soll eins sein, sondern in jedem von uns sollte die Kirche in ihrer Ganzheit gegenwärtig sein. So wird der Dienst des Einzelnen „Ausdruck der Universalität" (Ep 28, 9-23). Nichtsdestoweniger entspricht das ideale Bild der von Petrus Damiani erläuterten „heiligen Kirche" nicht der Wirklichkeit seiner Zeit - und er wusste das sehr wohl. Daher scheut er es nicht, den Zustand der in den Klöstern und unter dem Klerus bestehenden Korruption aufzuzeigen - vor allem aufgrund der Praxis, dass die weltlichen Autoritäten die Investitur der kirchlichen Ämter vollzogen: Verschiedene Bischöfe und Äbte verhielten sich mehr wie Regierende gegenüber den eigenen Untertanen denn als Seelenhirten. Nicht selten ließ ihr moralischer Wandel sehr zu wünschen übrig. Daher verlässt Petrus Damiani 1057 mit großer Traurigkeit das Kloster und nimmt, wenn auch unter Schwierigkeiten, die Ernennung zum Kardinalbischof von Ostia an. Damit tritt er voll in die Zusammenarbeit mit den Päpsten bei dem nicht leichten Unterfangen der Reform der Kirche ein. Er hat gesehen, dass die Kontemplation nicht ausreichend war, und musste auf die Schönheit der Kontemplation verzichten, um seinen helfenden Beitrag für das Werk der Erneuerung der Kirche zu leisten. Er hat so auf die Schönheit der Einsiedelei verzichtet und voller Mut zahlreiche Reisen und Missionen unternommen.

Aufgrund seiner Liebe zum monastischen Leben erhielt er zehn Jahre später, im Jahr 1067, die Erlaubnis, nach Fonte Avellana zurückzukehren, und verzichtete so auf die Diözese von Ostia. Die ersehnte Ruhe jedoch ist von kurzer Dauer: Bereits zwei Jahre später wird er mit dem Auftrag nach Frankfurt entsandt, die Scheidung Heinrichs IV. von seiner Frau Berta zu verhindern. Und weitere zwei Jahre später, im Jahr 1071, geht er nach Montecassino zur Weihe der Abteikirche. Und zu Beginn des Jahres 1072 begibt er sich nach Ravenna, um den Frieden mit dem dortigen Erzbischof wiederherzustellen, der den Gegenpapst unterstützt und so das Interdikt über die Stadt verschuldet hatte. Während der Rückreise zu seiner Einsiedelei zwang ihn eine plötzliche Erkrankung, in Faenza im Benediktinerkloster „Santa Maria Vecchia fuori porta" haltzumachen. Und dort starb er in der Nacht vom 22. auf den 23. Februar 1072.
Liebe Brüder und Schwestern, es ist eine große Gnade, dass der Herr im Leben der Kirche eine derartig überschwängliche, reiche und vielschichtige Persönlichkeit hervorgebracht hat, wie es der heilige Petrus Damiani ist, und es kommt nicht alle Tage vor, derartig scharfsinnige und lebendige Werke der Theologie und Spiritualität zu finden wie jene des Einsiedlers von Fonte Avellana. Er war Mönch bis ins Letzte, mit Ausgestaltungen der Strenge, die uns heute sogar übermäßig vorkommen könnten. Auf diese Weise aber hat er aus dem monastischen Leben ein beredtes Zeugnis für die Vorherrschaft Gottes und einen Aufruf an alle gemacht, frei und ohne Kompromisse mit dem Bösen zur Heiligkeit fortzuschreiten. Er verzehrte sich mit hellsichtiger Kohärenz und großer Strenge für die Reform der Kirche seiner Zeit. Er schenkte all seine geistigen und körperlichen Kräfte Christus und der Kirche; dabei aber blieb er immer, wie er sich gerne zu bezeichnen pflegte, „Petrus ultimus monachorum servus - Petrus, der letzte Diener der Mönche".
(Generalaudienz Papst Benedikt XVI. vom 9. September 2009)



Deckenfresko, Petrus Damiani, Vatikanische Museen
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