Freitag, 8. August 2014

Die neun Gebetsweisen des hl. Dominkus

Konvent und Konventkirche der Dominikanerinnen in Caleruega

Brunnen in der Krypta unter der Konventkirche in Caleruega,  Geburtsort des hl. Dominikus (reblogged)




Liebe Brüder und Schwestern!
Heute feiert die Kirche den Gedenktag des heiligen Priesters Dominikus de Guzmán, Gründer des Predigerordens, genannt Dominikaner. In einer vorhergehenden Katechese habe ich bereits seine hervorragende Gestalt und den grundlegenden Beitrag, den er zur Erneuerung der Kirche seiner Zeit geleistet hat, erläutert. Heute möchte ich einen wesentlichen Aspekt seiner Spiritualität beleuchten: sein Gebetsleben. Der hl. Dominikus war ein Mann des Gebets. Er war verliebt in Gott und hatte kein anderes Bestreben als das Heil der Seelen, besonders jener, die in die Fänge der Irrlehren seiner Zeit geraten waren; in der Nachfolge Christi verkörperte er radikal die drei evangelischen Räte, indem er die Verkündigung des Wortes mit dem Zeugnis eines armen Lebens verband; unter der Führung des Heiligen Geistes schritt er auf dem Weg der christlichen Vollkommenheit voran. In jedem Augenblick war das Gebet die Kraft, die seine apostolischen Werke erneuerte und immer fruchtbarer machte.
Der sel. Jordan von Sachsen, der 1237 starb, sein Nachfolger in der Ordensleitung, schreibt: »Bei Tag zeigte sich niemand geselliger als er… Bei Nacht hingegen wachte niemand eifriger als er im Gebet. Den Tag widmete er dem Nächsten, die Nacht aber schenkte er Gott« (vgl. P. Filippini, San Domenico visto dai suoi contemporanei, Bologna 1982, S. 133). Im hl. Dominikus erblicken wir ein Beispiel der harmonischen Ergänzung der Betrachtung der göttlichen Geheimnisse und der apostolischen Tätigkeit. Den Zeugnissen der Personen zufolge, die ihm am nächsten standen, »sprach er immer mit Gott oder von Gott«. Diese Beobachtung verweist auf seine tiefe Gemeinschaft mit dem Herrn und gleichzeitig das ständige Bemühen, die anderen zu dieser Gemeinschaft mit Gott zu führen. Er hat keine Schriften über das Gebet hinterlassen, aber die dominikanische Überlieferung hat seine lebendige Erfahrung gesammelt und weitergegeben in einem Werk mit dem Titel Die neun Gebetsweisen des Dominikus. Dieses Buch wurde zwischen 1260 und 1288 von einem Dominikanerbruder verfaßt; es hilft uns, etwas vom Innenleben des Heiligen zu verstehen, und es hilft auch uns, mit allen Unterschieden, etwas darüber zu lernen, wie man beten soll.

Dem hl. Dominikus zufolge gibt es also neun Gebetsweisen, und jede von ihnen, die er stets vor dem gekreuzigten Christus pflegte, bringt eine körperliche und eine geistliche Haltung zum Ausdruck, die einander tief durchdringen und die Sammlung und den Eifer fördern. Die ersten sieben Weisen folgen einer aufsteigenden Linie, wie Schritte eines Weges, zur Gemeinschaft mit Gott, mit der Dreifaltigkeit: Der hl. Dominikus betet stehend mit gesenktem Haupt, um die Demut zum Ausdruck zu bringen, auf die Erde hingestreckt, um die Vergebung seiner Sünden zu erbitten, auf Knien, um in Teilhabe an den Leiden des Herrn Buße zu tun, mit offenen Armen auf den Gekreuzigten hinschauend, um die höchste Liebe zu betrachten, mit dem Blick zum Himmel gerichtet, wo er sich von der Welt Gottes angezogen fühlt. Es gibt also drei Formen: stehend, kniend, auf die Erde hingestreckt; aber stets auf den gekreuzigten Herrn hinschauend. Die letzten beiden Weisen jedoch, bei denen ich kurz verweilen möchte, entsprechen zwei Frömmigkeitsübungen, die der Heilige gewöhnlich lebte. Vor allem die persönliche Betrachtung, wo das Gebet eine noch innigere, leidenschaftlichere und Zuversicht schenkende Dimension annimmt. Am Ende des Stundengebets und nach der Feier der Messe verlängerte der hl. Dominikus das Gespräch mit Gott, ohne sich zeitliche Grenzen zu setzen. Er saß ruhig da und sammelte sich innerlich in einer hörenden Haltung, las ein Buch oder heftete den Blick auf den Gekreuzigten.

Er lebte diese Augenblicke der Beziehung zu Gott so intensiv, daß man seine freudigen oder traurigen Reaktionen auch äußerlich wahrnehmen konnte. Er hat also in der Betrachtung die Wirklichkeit des Glaubens in sich aufgenommen. Die Zeugen berichten, daß er manchmal in eine Art Verzückung eintrat, mit verklärtem Gesicht, aber sofort darauf demütig seine täglichen Tätigkeiten wiederaufnahm, mit neuer Energie aus der Kraft, die aus der Höhe kommt. Dann das Gebet auf den Reisen von einem Kloster zum anderen; er betete die Laudes, die Mittagshore, die Vesper mit den Gefährten, und während er die Täler und Hügel durchquerte, betrachtete er die Schönheit der Schöpfung. Dann ging aus seinem Herzen ein Gesang des Lobes und des Dankes an Gott hervor für die vielen Gaben, vor allem für das größte Wunder: die von Christus gewirkte Erlösung.

Liebe Freunde, der hl. Dominikus erinnert uns daran, daß am Ursprung des Glaubenszeugnisses, das jeder Christ in der Familie, am Arbeitsplatz, im sozialen Einsatz und auch in Augenblicken der Entspannung geben muß, das Gebet, der persönliche Kontakt mit Gott steht; nur diese echte Beziehung zu Gott gibt uns die Kraft, jedes Ereignis tiefer zu leben, besonders die Augenblicke des größten Leidens. Dieser Heilige ruft uns auch die Bedeutung der äußeren Haltungen bei unserem Beten in Erinnerung. Knien, vor dem Herrn stehen, auf den Gekreuzigten hinschauen, schweigend innehalten und sich sammeln sind nicht nebensächlich, sondern helfen uns, uns innerlich, mit der ganzen Person in Beziehung zu Gott zu stellen. Ich möchte noch einmal die Notwendigkeit für unser geistliches Leben in Erinnerung rufen, täglich Augenblicke zu finden, um in Ruhe zu beten; wir müssen uns diese Zeit besonders in den Ferien nehmen, etwas Zeit haben, um mit Gott zu sprechen. Es wird ein Weg sein, um denen, die uns nahe sind, zu helfen, in den leuchtenden Strahl der Gegenwart Gottes einzutreten, der den Frieden und die Liebe bringt, derer wir alle bedürfen. Danke.

Benedikt XVI., Generalaudienz in Castel Gandolfo, Mittwoch, 8. August 2012


die neun Gebetsweisen des hl. Dominikus an seinem Geburtsort in Caleruega, Mosaik

Die erste Gebetsweise war: Er verbeugte sich demütig vor dem Altar, als ob Christus, den der Altar repräsentiert, wirklich und persönlich anwesend wäre und nicht nur im Zeichen.
So steht es im Buch Judit:
"Das Bitten und Flehen der Demütigen
hat dir immer gefallen."



Oft betete der Heilige Dominikus der Länge nach ausgestreckt mit dem Gesicht zur Erde. Dann empfand er Reue in seinem Herzen, und erinnerte sich des Evangeliums.
Dabei sprach er manchmal so laut, dass man es hören konnte:
"Gott, sei mir Sünder gnädig!"
(Lk 18,13b)



Aus dem Vorhergesagten folgte für Dominikus als natürliche Konsequenz, dass er aufstand, sich mit der Eisenkette schlug und sprach:
"Deine Zucht hat mich wieder auf das Ziel ausgerichtet."
(Aus den Psalmen)


Vor dem Altar stehend betrachtete er mit festem, durchdringenden Blick das Kreuz. Immer wieder kniete er nieder.
So brachte er manchmal die ganze Zeit zwischen der Komplet und Mitternacht vor dem Kreuz zu, bald kniend, bald stehend und sprach:
"Herr, wenn du willst,
kannst du machen, dass ich rein werde."
(Mt 8,2)



Unser Heiliger Vater Dominikus stellte sich manchmal aufrecht und frei vor dem Altar. Dann hielt er die Hände vor der Brust ausgebreitet, als hielte er ein geöffnetes Buch.
Zuweilen faltete er seine Hände und hielt sie vor seine geschlossenen Augen und versenkte sich ganz in sich selbst.
Oder: Er erhob die Hände in Schulterhöhe, wie es der Priester bei der Feier der Messe zu tun pflegt. Er schien dann auf Worte zu hören, die vom Altar gesprochen wurden.




Zuweilen sah man den Heiligen Dominikus mit ausgebreiteten Armen und ausgestreckten Händen in Form eines Kreuzes beten.
Dabei stand er so aufrecht, wie er konnte, und sprach:
"Herr, du Gott meines Heils, zu dir schreie ich am Tag und bei Nacht... Jeden Tag, Herr, rufe ich zu dir; ich strecke nach dir meine Hände aus" (Ps 88,2; 10b), ebenso:
"Herr, höre mein Gebet, vernimm mein Flehen; und erhöre mich bald, Herr." (Ps 143,1a; 7)

Die moderne Kunst macht es einem nicht leicht, dieses und das nächste Bild  dem Text zuzuordnen

Oft sah man Dominikus beim Gebet, wie er sich mit seiner ganzen Größe zum Himmel reckte. So stand er da mit über den Kopf erhobenen Händen, die ausgestreckt und gefaltet waren.
Man glaubte dann, dass er in diesem Augenblick entrückt wurde und im Gebet die Gaben des Heiligen Geistes für den von ihm gegründeten Orden empfing.
Zuweilen hörten seine Mitbrüder, wie er deutlich betete:

"Höre mein lautes Flehen, wenn ich zu dir schreie,
wenn ich die Hände zu deinem Allerheiligsten erhebe. (Ps 28,2)

Er sprach die Worte aus dem Psalm:

"Wohlan, nun preiset den Herrn, all ihr Knechte des Herrn... zu nächtlicher Stunde /
Erhebt eure Hände zum Heiligtum." (Ps 134,1;2)
"Herr, ich rufe zu dir. Eile mir zu Hilfe;
höre auf meine Stimme, wenn ich zu dir rufe...
wenn ich meine Hände erhebe" (Ps 141,1;2) 




Oft begab sich Dominikus alleine an einen Ort, um zu lesen oder zu beten. Er sammelte sich im Stehen vor Gott und setzte sich still hin.
Dann öffnete er ein Buch, zuvor aber bezeichnete er sich mit dem Kreuz.
Er las und wurde mit Freude erfüllt, als ob er Gott sprechen höre, wie im Psalm gesagt wird:

"Ich will hören, was Gott redet." (Ps 85,9a)




Wenn Dominikus von einem Land in ein anderes ging, besonders wenn er sich gerade in der Einsamkeit befand, hatte er Freude daran zu meditieren, sich der Kontemplation hinzugeben.
Und zuweilen sagte er zu seinen Weggefährten das Wort bei Hosea:

"Ich will sie in die Wüste hinausführen und sie umwerben.
(Hos 2,16b)


Kommentare:

  1. Das ist sehr schön, dass Sie darauf einmal aufmerksam machen.Bestenfalls kennt man hierzulande das Stehen und Knien. Meistens wird gesessen. Selbst die Kniebeuge machen nur noch wenige, das gilt auch für Priester und andere kirchlich-pastoralen Mitarbeiter, die im Chorraum herumlaufen, ohne sich darum zu kümmern, dass im Tabernakel der Heiland gegenwärtig ist. Und, nicht zu vergessen, Kniebänke werden auch abgeschafft. ... Darum ist es gut, auf die verschiedenen Haltungen hinzuweisen. Ähnlich findet man sie auch bei R. Guardini. - Vergelts Gott!

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  2. Das seelsorgliche Bemühen der Kirche muss dahin gehen, dass in den Herzen der Gläubigen die Ehrfurcht vor dem Heiligen lebendig wird, und dazu tragen auch die richtigen Gebetshaltungen bei.

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